Wie gewinnen Sie Azubis über Social Media?
Azubis gewinnen Sie über Social Media, indem Sie den Beruf zeigen statt ihn zu bewerben, Fragen beantworten und einen konkreten nächsten Schritt anbieten. Ein Jugendlicher entscheidet sich nicht für eine Stellenanzeige, sondern für etwas, das er sich vorstellen kann. Ein Stellenplakat als Grafik leistet das nicht.
Auf welchen Plattformen erreiche ich mögliche Azubis?
Nicht auf der, die Sie selbst nutzen. Fragen Sie Ihre aktuellen Azubis und Praktikanten, wo sie Betriebe entdeckt haben. Und unterscheiden Sie dabei drei Dinge: sich unterhalten, sich über Berufe informieren, und gezielt eine Lehrstelle suchen. Das passiert oft an verschiedenen Orten.
Instagram ist bei der Ausbildungsplatzsuche der wichtigste Kanal, und zwar über alle Schulabschlüsse hinweg. Das zeigt eine Auswertung des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung auf Basis einer Befragung von 1.729 Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren aus dem Frühjahr 2024. Auffällig dabei: Jugendliche nutzen Facebook für die Suche deutlich seltener, als Unternehmen es zur Ansprache einsetzen.
Je nach Schulabschluss verschiebt sich das Bild. Bei niedrigeren Abschlüssen spielen WhatsApp und YouTube eine größere Rolle, bei höheren LinkedIn und Xing.
Fangen Sie mit einem Kanal an, den Sie wirklich betreuen können. Ein Profil, auf dem eine Frage drei Wochen unbeantwortet steht, schadet mehr als kein Profil.
Welche Inhalte interessieren Jugendliche vor der Ausbildung?
Der Weg vom Anfänger zur eigenständigen Aufgabe, nicht das fertige Kundenprojekt. Ein Fünfzehnjähriger kennt Ihren Beruf oft nur dem Namen nach. Ein einzelner erklärter Arbeitsschritt bringt ihm mehr als ein schneller Zusammenschnitt aus Maschinen und Firmenlogo.
Gute Themen: die ersten Aufgaben, was passiert wenn etwas schiefgeht, und wer hilft. Lassen Sie einen Azubi erzählen, was am Anfang schwer war und wie er es gelernt hat. Und zeigen Sie dabei die Tätigkeit, nicht nur ein Gespräch vor weißer Wand.
Vergütung, Ausbildungsbeginn, Berufsschule und Anfahrt gehören ebenfalls dazu, am besten als einzelne Beiträge mit je einer klaren Antwort. Für einen Betrieb im Gewerbegebiet ist der Weg von der Bushaltestelle ein erstaunlich nützliches Motiv.
Wir drehen dafür im Betrieb selbst. Bei Ausbildungsinhalten sollten echte Lernschritte zu sehen sein, nicht die Routine von Leuten mit zwanzig Jahren Erfahrung. Humor darf dazugehören, aber niemand muss einen Trend nachtanzen, und kein Azubi wird vorgeführt.
Wie wird aus einem Video ein Kennenlernen?
Wer einen Clip interessant findet, schickt selten sofort eine Bewerbung. Bieten Sie deshalb einen kleineren Schritt an: eine Frage stellen, vorbeikommen, reinschnuppern. Und schreiben Sie dazu, was hinter dem Link steckt.
Ein Werkstattbesuch funktioniert gut, wenn Sie vorher sagen, wer da ist, wie lange es dauert und ob man etwas mitbringen muss. Damit wird aus einem abstrakten Ausbildungsplatz eine Situation, die man sich vorstellen kann.
Rechnen Sie damit, dass Eltern mitreden. Angaben zu Betreuung, Berufsschule und Anfahrt sollten deshalb offen einsehbar sein. Der Kontakt selbst bleibt aber beim Jugendlichen, nicht bei den Eltern.
Verlinken Sie aus dem Beitrag direkt auf das Ausbildungsangebot, nicht auf die Startseite. Antworten Sie ohne Fachsprache. Wie der Bewerbungsweg danach aufgebaut sein sollte, steht in unserem Artikel zur Karriereseite.
Was gilt bei Anzeigen für minderjährige Interessenten?
Normale Beiträge und bezahlte Anzeigen sind zwei verschiedene Dinge. Dass Jugendliche eine Plattform nutzen, heißt nicht, dass dort jedes Werbeformat für sie verfügbar ist. Prüfen Sie vor der Buchung, welche Ziele, Zielgruppen und Regionen für unter Achtzehnjährige überhaupt zulässig sind.
Die Plattformen schränken das erheblich ein, und die Regeln ändern sich. Auf ein Anzeigenformat mit direktem Kontaktformular sollten Sie bei Minderjährigen jedenfalls nicht fest planen, ohne es vorher im Werbekonto geprüft zu haben.
Planen Sie deshalb mit dem, was zulässig ist, und ergänzen Sie es außerhalb der Plattformen: Schulkooperationen, Praktikumstage, Berufsorientierungsmessen. Falsche Altersangaben oder umdeklarierte Kampagnenziele sind keine Lösung, sondern ein Sperrgrund.
Und Ihre eigenen Azubis sind keine Werbegesichter von Amts wegen. Klären Sie Aufnahmen und Veröffentlichung vorher. Wer nicht vor die Kamera will, kann trotzdem sagen, welche Fragen er selbst vor der Ausbildung hatte.
Was kostet ein kleiner Einstieg?
Bei uns beginnt ein einzeln beauftragtes Reel bei 300 Euro netto. Trennen Sie in der Planung Produktion und Ausspielung, sonst kalkulieren Sie zu knapp.
Ein Beispiel: Ein Sanitärbetrieb will zwei Clips, einen zum Ausbildungsalltag und einen zum Kennenlernangebot. Das sind 600 Euro netto Produktion. Mit 300 Euro Werbebudget liegt der Einstieg bei 900 Euro netto.
In dieser Rechnung veröffentlicht und betreut der Betrieb die Anzeigen selbst, seine Arbeitszeit kommt also dazu. Wird das ausgelagert, gehört es getrennt ins Angebot.
Der Vorteil eigener Clips: Sie laufen weiter. Auf der Ausbildungsseite, bei Schulveranstaltungen, im Profil. Halten Sie wechselnde Angaben wie den Ausbildungsbeginn deshalb im Begleittext, nicht im Video. Dann muss eine gute Berufsvorstellung nicht jedes Jahr neu gedreht werden.
Wann anfangen, und woran messen?
Richten Sie sich nach der Berufsorientierung der Schulen in Ihrer Nähe und nach Ihren eigenen Praktikumsterminen. Wer erst kurz vor Ausbildungsbeginn sichtbar wird, kann offene Plätze zeigen, aber kein Vertrauen mehr aufbauen.
Planen Sie Inhalte für drei verschiedene Momente: den Beruf entdecken, den Betrieb kennenlernen, sich entscheiden. Die Fragen aus Gesprächen liefern die nächsten Themen. Wenn dreimal dasselbe Missverständnis über Arbeitszeiten kommt, ist das Ihr nächster Beitrag.
Messen Sie nicht Reichweite, sondern Anfragen, vereinbarte Besuche, tatsächlich erschienene Jugendliche und Bewerbungen. Halten Sie dabei fest, für welchen Ausbildungsbeginn sich jemand interessiert. Ein Kontakt fürs übernächste Jahr ist etwas anderes als eine Bewerbung für September.
Und notieren Sie die Absagen samt Grund. Wenn drei Leute wegen der Anfahrt abspringen, wissen Sie, was im nächsten Beitrag geklärt werden muss.
Häufige Fragen
Brauche ich einen eigenen Kanal nur für Azubis?
Meist nicht. Ein gepflegtes Unternehmensprofil reicht, solange Ausbildungsinhalte zwischen den Kundenbeiträgen auffindbar bleiben. Ein eigener Kanal lohnt erst, wenn genug Themen und eine zuständige Person da sind.
Muss die Geschäftsführung für TikTok tanzen?
Nein. Zeigen Sie eine Tätigkeit, einen Lernschritt oder die Antwort auf eine echte Frage. Ein Ausbilder, der erklärt wie ein Anfänger an die Maschine herangeführt wird, wirkt besser als jeder nachgetanzte Trend.
Was kostet ein Azubi-Reel?
Bei uns ab 300 Euro netto für einen einzeln beauftragten Clip. Werbebudget, Kampagneneinrichtung und Betreuung sind davon getrennt. Klären Sie außerdem, wer Kommentare und Anfragen beantwortet.
Ersetzt das Schulkooperationen und die Arbeitsagentur?
Nein, es ergänzt sie. Nutzen Sie dieselben Clips auch bei Schulbesuchen. Die Wege im Vergleich behandeln wir im Artikel zur Mitarbeitergewinnung im Handwerk.